Competence Center Wissensmanagement

Bayer Lernfabrik – Interview mit dem Initiator und Mitgestalter 
Dr. Ralph Rohde, Bayer Pharma AG, Operational Excellence  

©Peter Himsel

Herr Dr.  Rohde, wie kam es zu der Idee, eine eigene Lernfabrik zu gründen? Was ist hier das Spezielle und Originelle?

Dr. Rohde: Wir haben mit Mitarbeitern, die wir für eine Lean Initiative schulen wollten, die Lernfabrik an der TU Darmstadt besucht und mussten dabei feststellen, dass die dort gezeigten Prinzipien für sie nur schwer nachvollziehbar waren. D. h. sie konnten sich nicht vorstellen, wie sich das Gezeigte auf das eigene Arbeitsumfeld in der  pharmazeutischen Produktion übertragen lässt. Darüber hinaus haben wir in Darmstadt Dinge gesehen, die sich derzeit bei uns technologisch noch nicht umsetzen lassen, wie z. B. kontinuierliche Produktion und Fertigung in kleinen autonomen Zellen. Deshalb haben wir beschlossen die Anwendbarkeit der Lean Prinzipien vor dem Hintergrund einer simulierten pharmazeutischen Produktion zu demonstrieren und trainieren.  

 

An wen richtet sich das Lehrangebot? Und wie viele Personen wollen Sie eigentlich schulen?

Dr. Rohde: Wir wenden uns vornehmlich an 2 Gruppen: zum einen haben wir eine sogenannte Shopfloor-Schulung für Produktionsmitarbeiter, Vorarbeiter bis Meister und prozessnahe Unterstützungs­abteilungen. Diese Gruppen sollen lernen lean zu handeln.

Zum anderen gibt es ein Angebot für das betriebliche Management aus der Produktion und auch aus  den unterstützenden Abteilungen, z.B. der Logistik/Supply Chain Management, Qualitätskontrolle. Diese sollen lernen, die Voraussetzungen für eine effiziente Produktion zu schaffen, also  lean gestalten, lean steuern und ihre Mitarbeiter anzuleiten.  

Letztlich haben wir damit den Anspruch, einen großen Teil unserer Mitarbeiter zu erreichen.

 

Welche Inhalte werden auf welche Weise vermittelt?

Dr. Rohde: Sie sehen in der Grafik, welche Inhalte wir insgesamt angehen. Dabei werden Themen wie die Wertstrommethode und Change Management im Shopfloor Training nur benannt und in der Führungskräfteschulung ausführlicher behandelt.

 

 

Bild 1: Lerninhalte der Lean Fabrik 

 

Wesentlich ist aber die Art der Vermittlung. Der praktische Teil des selber Erlebens, Tuns oder Sehens ist länger als die Vermittlung von Theorie. Meist beginnt ein Thema mit dem praktischen Sehen, gefolgt von einem kurzen Theoriebeitrag, gefolgt von einer Übung der Teilnehmer. Dieses Konzept wird von den Teilnehmern in den Feedback Runden regelmäßig gelobt.   

 

Sie werden das Training ja sicher in deutscher Sprache durchführen, oder?

Dr. Rohde: Sicher findet ein Großteil der Training in deutscher Sprache statt, da unsere größten Produktionsstandorte immer noch in Deutschland sind. Aber wir haben inzwischen auch eine ganze Reihe von Schulungen in englischer Sprache für Kollegen aus Finnland, Italien, China und Japan durchgeführt.

 

Wer entwickelt und vermittelt die Lernkonzepte? Was ist hierbei das Besondere?

Dr. Rohde: Wir haben uns als Bayer dazu entschieden, das Schulungskonzept gemeinsam mit Professoren und erfahrenen Beratern des Fraunhofer IPK und der TU Berlin zu erstellen, die Erfahrungen aus anderen Branchen mitbringen. Aus unserem Hause sind Spezialisten der Abteilung Operational Excellence beteiligt.

Die gleiche Zusammenarbeit setzt sich in der Durchführung der Trainings fort, d. h. die Trainer stammen vom IPK/von der TU Berlin und aus meinem Team.  Zusätzlich haben wir studentische Mitarbeiter, die unsere Maschinen bedienen, da die Trainingsteilnehmer ja Prozesse beobachten sollen und Ideen für Verbesserungen diskutieren sollen und nicht lernen sollen, wie man Maschinen bedient.

 

Herr Dr. Rohde, wie sieht die Zukunft aus? In absehbarer Zeit müssten doch alle Mitarbeiter der Bayer Pharma Prodkution in den Inhalten von Lean Production geschult sein. Wird dann Ihre Lernfabrik arbeitslos?

Dr. Rohde: Nein, auf gar keinen Fall. Im Rahmen einer umfassenderen Initiative trainieren wir seit einigen Wochen auch Mitarbeiter von Consumer Care und Animal Health Standorten und sicher wird auch demnächst Bayer Crop Science folgen. Dazu müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Inhalte auf deren Bedürfnisse anpassen und wegen der Reiskosten für Kollegen zugänglich machen, die nicht aus europäischen Standorten stammen.

 

Herr Dr. Rohde, sehen Sie eine Verbindung zwischen Wissensmanagement und der Lernfabrik?

Dr. Rohde: Ja, zum einen stellt die Lernfabrik eine Form dar, wie das Wissen der Bayer Lean Experten über die effiziente Gestaltung und Führung einer Fabrik einem breiten Kreis an Mitarbeitern vermittelt werden kann. Wie man mir erzählte, hat ein früherer Abteilungsleiter ihres Institutes die griffige Formel eingebracht: „Gesagt ist noch nicht gehört, gehört ist noch nicht verstanden, verstanden ist noch nicht einverstanden, einverstanden ist noch nicht umgesetzt!“ Mit der Lernfabrik haben wir da eine hocheffiziente Form der Wissensvermittlung aufgebaut, die sich vor allem auf „verstehen“ und in den Diskussionsrunden mit den Teilnehmern zur Umsetzung der gelernten Methoden auf „Einverständnis“ abzielt, also die Dimension Mindset anspricht. Die Umsetzung des gelernten im Bayer Alltag können wir nicht mehr durch die Lernfabrik leisten, sondern sind auf die Multiplikatorenfunktion der lokalen  OE Experten und die betrieblichen Vorgesetzten in den Werken angewiesen. Deshalb ist es auch so wichtig, Führungskräfte an diesen Schulungen teilnehmen zu lassen.

 

Ich kann Ihnen aber auch noch einen spezifischen Bezug von Wissensmanagement und Lernfabrik aufzeigen. Wir betreiben bei Bayer sehr anlagenintensive Fertigungen, bei denen der Instandhaltungs­aufwand sehr hoch ist. Von einer schnellen und richtigen Fehlerdiagnose und einer effizienten und dauerhaften Fehlerbehebung hängt die Auslastung unserer Anlagen ab. Deshalb nimmt die Vermittlung der systematischen Problemlösungsmethode für Anlagen und Geschäftsprozesse einen großen Raum in unserer Schulung ein. Und letztlich wollen wir auch vermitteln, dass die Optimierung von Teilprozessen nur ein erster Schritt sein kann, dass es vielmehr um eine ganzheitliche Verbesserung von Systemen gehen sollte.

 

Deshalb werden wir relativ bald unser Trainingsangebot um Themen wie SMED, Maintenance Strategie und Wertstrommanagement erweitern. Sicher werden wir dazu auch über eine erweiterte Kooperation mit dem IPK nachdenken.

 

Herr Dr. Rohde wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Das Interview führte Burkhard Schallock – Projektleiter am Fraunhofer IPK (burkhard.schallock@ipk.fraunhofer.de)

Lernprogramm zur Wissensbilanz Toolbox als App im iAcademy Store

Die Fraunhofer Academy ist die Weiterbildungseinrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft und richtet sich an weiterbildungsinteressierte Fach- und Führungskräfte technologiegetriebener Unternehmen. Gemeinsam mit der Fraunhofer Academy hat das Fraunhofer IPK ein interaktives Lernprogramm zur Wissensbilanz-Toolbox neu aufgesetzt, das nun als App im iAcademy Store kostenlos zur Verfügung steht.

Bereits in den ersten Versionen der Wissensbilanz-Toolbox war ein interaktives Lernprogramm integriert, in dem "Mr. Wib" durch die acht Schritte der Wissensbilanz-Erstellung führt. Dabei wird neben den Grundlagen zur Wissensbilanz auch eine Lernkomponente je Arbeitsschritt angeboten, in dem der Nutzer sein Wissen gleich testen kann.

 

Unter folgendem Link gelangen Sie zum Download des Wissensbilanz-Lernprogramms:

store.iacademy.mobi/de/item/wlccd7bllq/lernprogramm-zur-wissensbilanz-toolbox

Das Weiterbildungsprogramm „Mehr Können“ 2016

©Cherries - Fotolia

Mehr KönnenTechnologisches Know-how und Managementkompetenzen greifen bei uns am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin eng ineinander. Dass wir komplexe Themen interdisziplinär bearbeiten und ganzheitlich lösen, beweisen wir auch mit unserem Weiterbildungsprogramm„Mehr Können“. Welche Veranstaltungen und Termine Sie 2016 einplanen sollten, erfahren Sie hier. Wir freuen uns auf Sie.

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Video: Wissensbilanz-Werkstatt in Brasilien

Ein besonderes Format im Weiterbildungsprogramm „Mehr Können“ ist die „Wissensbilanz-Werkstatt“, in der Unternehmensvertreter in einem zweitägigen Seminar unter Anleitung von ausgebildeten Wissensbilanz-Moderatoren durch Ihr eigenes Wissensbilanz-Projekt geleitet werden. Die Wissensbilanz-Werkstatt richtet sich an Manager, Geschäftsführer und Schlüsselpersonen, die erste Schritte bei der Wissensbilanzierung gehen wollen.

Nicht nur in Deutschland findet die Wissensbilanz-Werkstatt großen Anklang. In einem Pilotprojekt in Brasilien wurden nach dem Werkstatt-Prinzip fünf Wissensbilanzen in einem zweitägigen Verfahren unter Anleitung der Fraunhofer-Experten erstellt. Wie die Wissensbilanz-Werkstatt funktioniert können Sie in einem kurzen Video sehen, dass Sie unter dem folgenden Link finden:

www.wissensmanagement.fraunhofer.de/presse-und-medien/videos/

Rückblick: Wissensmanagement-Konferenz „KnowTech 2015“

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Unter dem Motto ,,Smart & Social - Wissensaktivierung im digitalen Zeitalter“ präsentierte die KnowTech Ende Oktober 2015 in Hanau Lösungsansätze für das Wissensmanagement der Zukunft.  Die Experten des Fraunhofer IPK waren mit zwei Beiträgen vertreten.

 

In einem interaktiven Boxenstopp-Format diskutierte Fabian Hecklau vom Fraunhofer IPK mit den Teilnehmern aktuelle Herausforderungen der Personalqualifizierung vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung in Unternehmen.

 

Im Track „Wissensmanagement goes ISO“ wurden die Anforderungen der ISO 9001:2015 an das Wissensmanagement von Morgen beleuchtet. Der Beitrag der IPK-Experten Sven Wuscher und Phillip Karcher erörterte, wie das Fraunhofer IPK die Wissensmanagement-Anforderungen der ISO 9001:2015 für sich analysiert hat und welche Umsetzungsschritte zur Erfüllung der neuen Anforderungen zukünftig geplant sind.

Weitere Informationen zur Konferenz und zu den Vorträgen finden Sie unter:

www.knowtech.net

Rückblick DGQ-Qualitätstag 2015: Workshop zu Wissen und Kompetenz

©Oliver Boehmer - bluedesign® - Fotolia

Welche konkreten Anforderungen stellt die neuen ISO 9001:2015 an die Themengebiete Wissen und Kompetenz? Diese Frage treibt viele Experten aktuell um! In einem interaktiven Knowledge Café mit über 100 Teilnehmern haben Vertreter der „Arbeitsgruppe Wissensmanagement“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) und der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) den aktuellen Stand in den Unternehmen erörtert und Lösungsansätze erarbeitet.

 

Ergebnisse der Veranstaltung werden in ein gemeinsames Positionspapier einfließen, das noch im Dezember 2015 erscheinen soll. Darüber hinaus hat die Arbeitsgruppe eine Online-Erhebung durchgeführt. Die Studienergebnisse werden Anfang 2016 kostenlos bereitgestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter

www.gfwm.de/fachlich/fachgruppen/wissensmanagement-und-qualitaetsmanagement/

 

Das Fraunhofer IPK wird durch Ronald Orth in der Fachgruppe vertreten, der für weitere Fragen zum Thema gerne bereitsteht (ronald.orth@ipk.fraunhofer.de).

Seminar: Wissensmanagement Grundlagen – Methoden – Praxisbeispiele

Wissensmanagement hilft Ihrem Unternehmen, strategische Geschäftsziele zu erreichen und operative Abläufe zu optimieren. In diesem eintägigen Seminar vermitteln wir Methoden und Instrumente, die das gesamte Spektrum abdecken: von der Initialisierung eines Wissensmanagement-Projektes über die strategische Analyse zur Integration von konkreten Wissensmanagement- Maßnahmen. Lernen Sie unser Vorgehensmodell zur Einführung von Wissensmanagement kennen.

Termin/Ort

17. März 2016, Produktionstechnisches Zentrum Berlin

Weitere Infos

weiterbildung.ipk.fraunhofer.de/seminar/event/wissensmanagement-grundlagen-methoden-praxisbeispiele-2/

 

 

Wissensbilanz-Werkstatt

Zielgruppe sind Manager, Geschäftsführer und Schlüsselpersonen, die sich den Herausforderungen von morgen schon heute stellen wollen. Ziel der zweitägigen „Wissensbilanz-Werkstatt“ist es, für Sie als Manager konkrete Handlungsoptionen für die zukünftige Ausrichtung Ihres Unternehmens zu erhalten. Systematisch analysieren Sie, wie Sie Ihre Mitarbeiter für die zukünftigen Herausforderungen aufstellen müssen, welche Veränderungen in Strukturen und Abläufe notwendig sind und mit welchen Partnern Sie sich vernetzen sollten, um Ihren Erfolg nachhaltig auszubauen.

Termin/Ort

14. – 15. März 2016, Produktionstechnisches Zentrum Berlin

Weitere Infos

weiterbildung.ipk.fraunhofer.de/workshop/event/wissensbilanz-werkstatt-2/

 

 

Muda-Safari in der Lernfabrik

Lean erfahren, erleben und gestalten. Eine Veranstaltung für Fach- und Führungskräfte aus Produktion sowie Verbesserungsbeauftragte, Shop-Floor-MitarbeiterInnen und alle Personen, die an einem Einstieg in das Thema Lean interessiert sind.

Termin/Ort

14. - 15. März 2016, Bayer Pharma AG, Lean Fabrik, Berlin

Weitere Infos

weiterbildung.ipk.fraunhofer.de/seminar/event/muda-safari-in-der-lernfabrik-1/

 

Wissensbilanz-Intensivseminar für ModeratorInnen, Stufe 1

In diesem zweitätigen Intensivseminar lernen Sie direkt von den Experten des AK-WB, wie Sie selbst eine Wissensbilanz erstellen und insbesondere, wie Sie die Wissensbilanz-Workshops erfolgreich moderieren und gestalten.

Termin/Ort

03. – 04. März 2016, Berlin

06. – 07. Juni 2016, Frankfurt a.M.

17. – 18. November 2016, München

Weitere Infos

www.academy.fraunhofer.de/de/innovation_technologie/wissensbilanz.html

 

Wissensmanagement mit Social Media

In dem eintägigen Seminar erfahren Sie am Beispiel des Wissensmanagements welche Potenziale Ihr Unternehmen durch die Nutzung von Social Media erschließen kann, wie Social Media insbesondere für das organisationale Wissensmanagement zielgerichtet eingesetzt werden und was für die erfolgreiche Einführung von Social Media in Ihrem Unternehmen erfolgsentscheidend ist.

Termin/Ort

18. November 2016, Produktionstechnisches Zentrum Berlin

Weitere Infos

weiterbildung.ipk.fraunhofer.de/seminar/event/wissensmanagement-mit-social-media-2/

 

 

Safe the Date: PTK 2016 - Urbane Produktion. Nachhaltige Technologien für die Stadt von Morgen

Am 15. und 16.9.2016 findet das XV. Internationale Produktionstechnische Kolloquium statt. Veranstaltungsort ist das Produktionstechnische Zentrum in Berlin. Im Rahmen von Plenarvorträgen und parallelen Sessions werden aktuelle Trends der urbanen Produktion in der Stadt von Morgen vorgestellt und diskutiert