Competence Center Wissensmanagement

Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Newsletter »WissensWert« wollen wir Sie über aktuelle Themen rund um das Management  informieren, Best-Practice- Beispiele vorstellen, Sie auf interessante Veranstaltungen hinweisen und Sie einladen mit uns Ihre Erfahrungen zu teilen. Der Newsletter stellt eine Weiter- und Zusammenführung der beiden früheren Newsletter »WissensWert« und »ProWis News« dar. Neben den darin etablierten Inhalten möchten wir uns zukünftig der ganzen Bandbreite der Managementthemen öffnen und Sie quartalsweise zu unterschiedlichen Schwerpunkten informieren.

Lesen Sie in der ersten Ausgabe von »WissensWert« mit dem Schwerpunkt »Wissensmanagement und ISO-Norm 9001:2015«, welche Anforderungen die neue ISO-Norm 9001:2015 enthält, wie Werkzeuge und Instrumente des Wissensmanagements helfen können und was Sie als Wissens- bzw. Qualitätsmanager heute schon tun können, um sich auf die anstehenden Neuerungen vorzubereiten. Erfahren Sie außerdem, welche Resultate sich aus der Folgestudie „Wissensstandort Deutschland – Deutsche Unternehmen auf dem Weg in die wissensbasierte Wirtschaft. Ergebnisse 2014“ ergeben und inwieweit diese fortlaufend wegweisend für Managementthemen sind. Die künftigen Ausgaben des Newsletters »WissensWert« in 2015 richten ihren Fokus auf aktuelle Themen wie z.B. »Digitalisierung und Gamification«, »Innovations- und Clustermanagement« sowie weitere Schwerpunkte rund um das Management von Unternehmen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und freuen uns jederzeit über Anregungen und Feedback!

links:
Prof. Dr.-Ing. Roland Jochem
Leiter des Fachgebiets
Qualitätswissenschaft
am IWF der TU Berlin

rechts:
Prof. Dr.-Ing. Holger Kohl
Leiter des Bereichs
Unternehmensmanagement
des Fraunhofer IPK



Was genau wird sich mit der Revision der ISO Norm 9001 im Jahr 2015 ändern?

Prof. Kohl: Die neue ISO-Norm 9001:2015 wird erstmals die eindeutige und unmissverständliche Anforderung erhalten, Wissen gezielt und systematisch zu managen. Wissen wird nun als zentrale Ressource verstanden, die eine wichtige Rolle im Qualitätsmanagement spielt. Gerade die Sicherung von Erfahrungswissen bei ausscheidenden Mitarbeitern wird eine starke Beachtung finden müssen.

Prof. Jochem: Weiterhin werden sich Unternehmen stringenter auf ein effektives Prozessmanagement ausgerichten. Prozesse mit Bezug auf Produktrealisierung und Kundenzufriedenheit werden zukünftig stärker gewichtet. Das liefert die Basis, um Qualitäts- und Wissensmanagement stärker zu verzahnen.
Ferner wird ein stärkerer Fokus auf das Risikomanagement gelegt. Die Anforderungen gehen dahin, dass Unternehmen durch eine Ermittlung von Risiken unerwünschte Auswirkungen verhindern können und somit fortlaufende Verbesserungen unter Berücksichtigung interner und externer Anspruchsgruppen erreichen.


Was bedeutet das für Unternehmen, die bereits zertifiziert sind?

Prof. Jochem: Die überarbeitete Norm wird aller Voraussicht nach im Herbst 2015 veröffentlicht. Danach wird es einen Übergangszeitraum von drei Jahren geben, in dem alle zertifizierten Unternehmen die Auflagen der überarbeiteten Version erfüllen müssen, um erneut zertifiziert zu werden. Die Stakeholder und damit alle interessierten Parteien mit Einfluss auf die Organisation rücken noch mehr in den Fokus. Hier ist eine nähere Untersuchung der Bedürfnisse und Erwartungen dieser Interessensgruppen durch die Organisation notwendig. Zudem wird die bereits in der Version von 2000 empfohlene Prozessorientierung nun zu einer essenziellen Forderung. Prozesse müssen klar definiert und Prozesskennzahlen zur Messung von In- und Output hinterlegt werden. Eine Neuerung ist zudem die Forderung nach einem risikobasiertem Ansatz. Unternehmen müssen Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen ergreifen. Es reicht somit nicht aus Risiken zu erkennen. Die durchgängige Anwendung von Werkzeugen und Mechanismen des Risikomanagements über die Identifikation hinaus ist gefordert. Hier sind je nach Unternehmen unterschiedliche Ausbaustufen erforderlich. Wichtig ist es, den Nutzens eines kontinuierlichen Risiko- und Chancenmanagements zu erkennen, aber auch die Verpflichtung dafür anzunehmen.


Was können Unternehmen heute bereits tun, um die neuen Anforderungen zu erfüllen?

Prof. Kohl:
 Die verantwortlichen Stellen im Unternehmen könnten schon jetzt damit beginnen mithilfe von Wissensmanagement-Experten für das Thema Wissensmanagement zu sensibilisieren. Unternehmen müssen zukünftig sicherstellen, dass die erforderlichen Kompetenzen von Personen erfasst werden – gerade wenn sie zentrale Aufgaben im Unternehmen übernehmen. Angesichts des demografischen Wandels sollte  z.B. ein Frühwarnsystem vorhanden sein, das den Vorgesetzten rechtzeitig über das bevorstehende Ausscheiden eines Mitarbeiters informiert bzw. in regelmäßigen Abständen Wechselabsichten von Mitarbeitern erfasst. Das Frühwarnsystem bildet somit die Grundlage für die Entscheidung zur Einleitung von Transferprozessen, um das Wissen von ausscheidenden Mitarbeitern zu erhalten.
Das relevante Wissen soll zudem nicht nur bewahrt, sondern auch an die Mitarbeiter in ausreichendem Maße vermittelt werden. Wissensmanagement-Experten können hier einen guten Überblick zu Hilfsmitteln und Instrumenten geben. Außerdem sollen seitens der Organisation konkrete Bestimmungen vorliegen, wie das notwendige Wissen erlangt werden soll. Beispielsweise soll das »Lernen aus Fehlern« einen stärkeren Stellenwert in deutschen Unternehmen einnehmen.

Der Weg in die wissensbasierte Gesellschaft

10. März 2015 – Deutsche Unternehmen sind auf dem Weg in die wissensbasierte Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt veröffentlichte Studie »Wissensstandort Deutschland – Deutsche Unternehmen auf dem Weg in die wissensbasierte Wirtschaft. Ergebnisse 2014« des Fraunhofer IPK und des Arbeitskreises Wissensbilanz. Sie gibt Aufschluss darüber, wie gut deutsche Unternehmen ihr Intellektuelles Kapital managen, welche immateriellen Ressourcen im Mittelpunkt einer wissensbasierten Unternehmensführung stehen und welche Unterschiede sich hinsichtlich der Strategien zur Stärkung der wissensbasierten Wettbewerbsvorteile ergeben.

Dafür wurden deutschlandweit 139 Manager und Entscheidungsträger von großen und kleinen Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen vom Fraunhofer IPK befragt. Wesentliches Ergebnis der Studie: Die Teilnehmer messen dem Intellektuellen Kapital eine größere Bedeutung für nachhaltiges Wirtschaften bei als den materiellen Ressourcen. Das Humankapital erweist sich als wichtigster Faktor für den Geschäftserfolg. Auch vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs stehen motivierte und kompetente Mitarbeiter sowie Führungspersönlichkeiten mehr denn je im Fokus der Unternehmen, unabhängig von Branche, Größe oder Alter. Ebenfalls ausschlaggebend für den Geschäftserfolg sind gute Kundenbeziehungen. Deutlich weniger relevant als es die aktuelle Diskussion um ihre Bedeutung nahe legt, schätzen die befragten Unternehmer den Wert der innovativen Prozesse, Produkte und Dienstleistungen ein. 

Damit bestätigt die Studie »Wissensstandort Deutschland« den ansteigenden Trend, der bereits in der Vorgängerstudie 2010 ersichtlich wurde. »Die Wichtigkeit der immateriellen Werte bezogen auf den Unternehmenswert wird zunehmend von Unternehmern erkannt, jedoch werden diese wichtigen Erfolgsfaktoren noch nicht ausreichend gemanagt«, so Professor Holger Kohl, Leiter des Geschäftsfeldes Unternehmensmanagement am Fraunhofer IPK. Auch die deutschen Normungsausschüsse haben diesen Trend aufgegriffen. So wird bei der aktuellen Revision der DIN EN ISO 9001:2008 das Thema Wissensmanagement voraussichtlich verstärkt eine Rolle spielen. »Somit könnte die praktische Anwendung von Instrumenten zur Bewertung und Steuerung des Intellektuellen Kapitals wie die ›Wissensbilanz – Made in Germany‹ in Zukunft von noch höherer Relevanz werden, um entscheidende Wettbewerbsvorteile am Wissensstandort Deutschland zu erlangen«, so Professor Holger Kohl weiter. 

Deutschlandweit wurden bereits mehr als 1000 erstellte Wissensbilanzen in Unternehmen registriert. Anhand der Studie soll auch in Zukunft der Transformationsprozess von Unternehmen hin zur wissensbasierten Wirtschaft untersucht werden.

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LesensWert: Die Zusatzleitfäden zur Wissensbilanz

Neben der Wissensbilanz-Toolbox 2.0 und dem Leitfaden 2.0 zur Erstellung einer Wissensbilanz sind drei Zusatzleitfäden erschienen, die Unternehmen helfen sollen, strategische Ziele zu entwickeln, operative Maßnahmen zu managen oder die Wissensbilanz kontinuierlich zu erstellen. Jedes Zusatzmodul stellt ein nutzenstiftendes Zwischenergebnis dar, das je nach Anwendungsfall und Bedarf einzeln als auch kombiniert angewendet werden kann.
Das Zusatzmodul »Strategische Ziele entwickeln« verfolgt das Ziel, die momentane strategische Ausrichtung eines Unternehmens zu dokumentieren, sie mit Schlüsselpersonen im Unternehmen zu analysieren, um sie so zu präzisieren, weiterzuentwickeln und an neue Gegebenheiten anzupassen. 
Im Zusatzmodul »Maßnahmen managen« wird die Schnittstelle zwischen Maßnahmenmanagement und Wissensbilanzierung erläutert. Fragen nach der Überführung der Wissensbilanz-Ergebnisse in die Maßnahmenplanung und -umsetzung und der Überwachung und Steuerung des Nutzen von Maßnahmen werden beantwortet.
Das Zusatzmodul »Kontinuierliche Wissensbilanzierung« stellt eine Erweiterung der Wissensbilanzmethode dar, die in Verbindung mit einem systematischen Maßnahmenmanagement zu einem integrierten Managementinstrument wird, das die nachhaltige Unternehmensentwicklung unterstützt.